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VORWORT

Lange Zeit wurde der Schulraum mit seiner Einrichtung als etwas so Selbstverständliches

angesehen, dass er kaum einen reflexiven Widerstand bieten konnte. Seit einigen Jahren

ist jedoch ein deutlicher Bewusstseinswandel bemerkbar, der die materielle Ebene des

Unterrichts mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Die Einsicht, dass aktuelle Heraus-

forderungen an die Schule (z.B. ganztägige Betreuung, Inklusion, neue Lernkultur) ohne die

Einbeziehung von Raumqualitäten nicht zu lösen sind, führt folglich auf unterschiedlichen

Ebenen zu einer Öffnung für neue Vorstellungen über Lernräume.

Ein Unterricht, der auf die Entfaltung jedes einzelnen Kindes in einer heterogenen Lern-

gruppe abzielt, erfordert eine Lernkultur, die durch eine Vielfalt an Lernsituationen und

methodischen Zugängen den Selbstbildungsprozess in der Gemeinschaft mit anderen

ermöglicht. Die Realisierung dieser Lehr- und Lernformen ist ohne eine Entsprechung in

der Raumgestaltung allerdings nur schwer möglich. Dafür braucht es vielgestaltige räum-

liche Strukturierungskonzepte sowie eine größere Vielfalt an Schulmöbeln. Als materielle

Elemente der Schule bestimmen sie auf einer subtilen Weise zusammen mit dem sozialen

Handeln der Akteur/innen und ihren Beziehungen zueinander maßgeblich den Unterricht.

Schulmöbel sind eben nicht nur Designobjekte, sondern Beteiligte in konkreten Lehr-/Lern-

praktiken. Die herkömmliche Klassenausstattung wird der Verschiedenartigkeit an Lernsitu-

ationen aber oft nur sehr begrenzt gerecht. In den letzten Jahren sind daher Bemühungen

zu beobachten, Einrichtungsgegenstände in Klassenräumen weiterzuentwickeln bzw. neu

zu entwerfen, sodass sie den Unterricht möglichst optimal unterstützen können.

Diese Broschüre geht aus einem Forschungsprojekt über Schultische hervor, das die Wir-

kung dieser Artefakte in Bezug auf unterrichtsrelevante Aspekte untersucht hat. Die darin

verfolgte pädagogische Perspektive hat zu Überlegungen geführt, die wir hiermit – ange-

reichert mit Aussagen von Lehrer/innen und Schüler/innen – einer breiten Öffentlichkeit

präsentieren wollen. Wir hoffen, damit den einen oder anderen neuen Impuls setzen zu

können,

Katharina Rosenberger, Franz Hammerer, Doris Lindner, Helene Miklas